Geschichte
Der Hof Dingerdissen ist einer der ältesten Höfe in
Bielefeld. Um 1030 schenkt die edle Frau Reinike
dem Bistum Paderborn Ihre Höfe „Dödeshöner“
und „Thincherdinchusen“ (Dingerdissen) mit allem
Zubehör an Gebäuden, Mühlen und Menschen.
Bischof Meinwerk von Paderborn überlässt Ihr den
Hof Dingerdissen als Leibzucht.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1350 erscheint
zum ersten Male ein namentlich identifizierbarer
Bewohner des Hofes Dingerdissen. Die Herforder
Äbtissin Liutgard hat mehrere Adelige mit ver-
schiedenen Höfen belehnt. „Alrad von dem Busche“
erhält den Haupthof „Dyngherdinchusen“.

1556 verzeichnet das Urbar der Grafschaft
Ravensberg, der Hof Ubbedissen No.4 „Heinrich zu
Dingerdißen kompt Lubberte Westfalen mit Weib
und Kindern zu. Den zehnden hat „Johan Haetzfeld“
jährlich 1/10 des geernteten Korns und des neu-
geborenen Viehs.

1637 wird berichtet das die Familie Dingerdissen
sich wegen der Religion nach Heepen wendet
und nicht mehr zu der evangelisch-reformierten
Kirche nach Oerlinghausen wo Sie aus altersher
Ihre Kirchstühle und Ihr Erbbegräbnisse haben,
geht. Bauer Dingerdissen wollte lutherisch bleiben.

1661 Jobst und Anke Dingerdissen erbauen den
ersten Kotten, (Brinkkotten) heute ist dort nach 
mehrmaligen Umbauten eine Kindertagesstätte
des Johanneswerkes untergebracht.

1693 Tönnies Berend Dingerdissen, ein Sohn von
Jobst und Anke Dingerdissen übernimmt den Hof.
Er heiratet Catharina Ilsabein Nieder-Siebrasse
aus Stieghorst No.5.

1760 Christoph Dingerdissen heiratete mitten im
Kriege Anna Maria Elisabeth Lüking aus Even-
hausen. Ihr Brautschatz als Abfindung waren 80
Taler, zwei Kühe, zwei Rinder, zwei große und
zwei kleine Schweine, sowie einen landesüblichen
Brautwagen. Die Geburt des ersten Kindes verlief
derart unglücklich, dass das Kind nach vier Tagen
verstarb, die Mutter folgte dem Kind nach zwei
Monaten. Acht Monate später heiratete Christoph
erneut, die erst 18jährige Anna Magarethe Elisabeth
Brune. Christoph verstirbt frühzeitig im Alter von 49
Jahren. Seine Witwe heiratet nach sieben Monaten
Jobst Heinrich Kaiser vom Nachbarhofe.

1810 Die beiden Eheleute haben nach einer ver-
heerenden Feuerbrunst das heutige Haupthaus
wiederaufgebaut.

Im Jahre 1800 ergriff Jobst Heinrich Kaiser, genannt
Dingerdissen, die Chance zum Freikauf. Jetzt be-
freite Dingerdissen zum einen sich, seine Frau und 
Kinder aus der Eigenbehörigkeit der „Familie von
Westfalen“ und zum andern den ganzen Hof aus
dessen Grundherrschaft. Für 1.000 Taler in Gold er-
warb er sämtliche Hofbauerschen Rechte und wurde
nun endlich sein eigener Herr.

1819 wurde Jobst Dingerdissen, Sohn der Eheleute
Jobst Heinrich Kaiser, genannt „Dingerdissen“ und
seiner Frau Anna Margarete Elisabeth Brune, im
Alter von 30 Jahren Eigentümer.
Aus den Archiven geht hervor, das dieser Jobst
Dingerdissen nicht nur ein hervorragender Landwirt
gewesen war, sondern auch ein erfolgreicher Grund-
stückshändler.

1819 heiratete er Hanne-Sophie Kaiser, seine
Cousine, die Väter waren Brüder. Aus dieser Ehe
gingen acht Kinder hervor, von denen jedoch zwei
als Totgeburten zur Welt kamen und zwei weitere
im Kleinkindalter verstarben.

1854 Heinrich Dingerdissen, ältester Sohn von Jobst
Dingerdissen, übernimmt im Alter von 34 Jahren,
nach seiner Heirat mit Hanne Auguste Ernst aus
Ubbedissen, den Hof. Aus dieser Ehe erwachsen
11 Kinder. Heinrich Dingerdissen stirbt 1878 sehr
früh an Typhus. Zu dieser Zeit war der jüngste Sohn,
Georg Albrecht – mein „Großvater“ noch nicht ge-
boren. Drei der 11 Kinden starben bereits sehr früh,
fünf blieben später unverheiratet, lebten und
arbeiteten vorwiegend auf dem Hof als Pächter für 
Georg Albrecht, der als jüngster, „ Hoferbe“ war.

1905 ging Georg Albrecht nach Westpreußen und
pachtete eine 250ha große Domäne in Bromberg.
Im gleichen Jahr heiratete er „Luise Meyer zu
Bexten“. Die Bewirtschaftung seines Hofes in
„Dingerdissen“ überließ er seinen unverheirateten
Geschwistern.

1914 bei Kriegsausbruch wurde er sofort eingezogen
und fiel 1914 in der Nähe von Paris. Aus dieser Ehe
gingen drei Söhne hervor. Der jüngste, „Heinrich“ ge-
bohren am 16.4.1909 - mein „Vater“, war nun wiederum
als Jüngster Hoferbe in „Dingerdissen“.

1924 kam mein Vater, als 15jähriger aus Bromberg
zurück auf seinen Hof in Westfalen, um von hier aus
seine Berufsausbildung an der Landwirtschafts-
schule in Herford zu beginnen.

1934 im Alter von 25 Jahren übernahm mein Vater
das Regiment auf dem Hof von den bis dahin 
wirtschaftenden, ledigen Brüdern seines Vaters.
Sie haben durch kluges Wirtschaften und vielerlei
Verzicht den Hof um einiges vergrößert.

1945 heiratete mein Vater“ Anneliese Meyer zu
Knolle“ aus Spradow bei Bünde. Die Nachkriegszeit
war für die junge Familie durch die vielen Flüchtlinge,
die hier auf dem Hof Unterschlupf gefunden hatten,
wahrlich nicht einfach. Aus Ihrer Ehe erwuchsen drei
Mädchen und 2 Jungen.
Durch Zukauf von weiteren Flächen vom Nachbarn
Heitland (Kaiser) vergrößerte mein Vater den Hof
nicht unbeträchtlich. Als ich den Hof 1977 übernahm
hatte er 44.50ha.

Rückblickend muss ich feststellen, wie viele meiner
Vorfahren, so hatte auch mein Vater ein erfolgreiches
Händchen in der Bewirtschaftung des Hofes. Meine
Mutter (mit 52 Jahren), wie auch zwei meiner
Schwestern (mit 35 Jahren) starben schon früh an
Krebs. 
Da mein Bruder als jüngster in der Erbfolge, Hoferbe
geworden wäre, er aber nach der Schulausbildung
wenig Neigung zu dem Beruf Landwirt hatte, ver-
zichtete er auf das Erbe und wurde Architekt.

Ich, Heinrich Dingerdissen geb. am 18.01.1950 hatte
schon früh sehr viel Freude an der Landwirtschaft,
absolvierte eine zweijährige Fremdlehre, ein weiteres
Jahr im Ausland und schloss meine schulische Aus-
bildung in Herford mit dem Staatl. Geprf. Landwirt ab.

1980 heiratete ich Susanne Koß aus Bielefeld. Unsere
Tochter Annegret wurde am 28. April 1982 geboren
und studiert zur Zeit an der freien Universität Berlin.

Seit 1977 versuche ich die Geschicke des Hofes zu
lenken, um den Fortbestand des Hofes zu sichern.
Die Leitlinie meines Schaffens hier auf dem Hof wird
immer der Spruch bleiben: Was du ererbst von Deinen
Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.
Ubbedissen, im Mai 2004

                      Heinrich Dingerdissen